• HP Sylvia Kalbe

Gewichtsabnahme und gesündere Ernährung durch erhöhte Proteinzufuhr


Eine leicht erhöhte Eiweißzufuhr während einer Diät kann zu einer verbesserten Qualität der Ernährung führen und gleichzeitig dem Verlust an fettfreier Körpermasse entgegenwirken. Zu diesem Schluss kam eine amerikanische Studie, die Daten von mehr als 200 übergewichtigen und adipösen Probandinnen und Probanden ausgewertet hat.


Personen mit Übergewicht oder Adipositas ernähren sich häufig qualitativ minderwertig, mit einem Mangel an Obst und Gemüse, Vollkornprodukten und Hülsenfrüchten und einem übermäßigen Gehalt an zugesetztem Zucker und gesättigten Fettsäuren im Vergleich zu ungesättigten Fettsäuren. Dies geht einher mit einem höheren Risiko für eine größere Gewichtszunahme und chronische Krankheiten. Ein Gewichtsverlust kann zwar chronischen Krankheiten vorbeugen. allerdings schränken viele Diäten nicht nur den Energiegehalt ein, sondern auch die Aufnahme gesunder Nahrungsmittel und Mikronährstoffe.


Die Wissenschaftler wollten nun den Einfluss von selbstgewähltem Nahrungsprotein auf die Qualität der Ernährung in einer Längsschnittstudie untersuchen. Das primäre Ziel dieser Studie war es, festzustellen, wie sich Veränderungen in der selbst gewählten Proteinzufuhr während der Kalorienrestriktion auf die Aufnahme anderer Lebensmittel (mit wenig oder gar keinem Protein), die Qualität der Ernährung und die Angemessenheit der Nährstoffe während der 6-monatigen Diät bei Erwachsenen mit Übergewicht und Adipositas auswirken. Es wurde auch untersucht, ob Veränderungen in der Proteinzufuhr und anderen Nahrungsmitteln in der Ernährung mit der fettfreien Körpermasse nach der Diät in dieser Population zusammenhängen.


Um die Zusammenhänge genauer zu untersuchen, wurden Daten von 207 Erwachsenen mit Übergewicht oder Adipositas vor und während einer 6-monatigen Kalorienrestriktion ausgewertet. Die Daten stammten aus verschiedenen klinischen Studien zur Gewichtsabnahme.


Die untersuchten Personen im Alter von 24 bis 75 Jahren sollten für sechs Monate täglich ihre Energieaufnahme um 500 Kilokalorien reduzieren. Ernährungsfachkräfte unterstützten sie dabei, sich gesünder zu ernähren und gesättigte Fette, raffinertes Getreide, Zucker und Salz zu meiden. Rund 18 Prozent der Kilokalorien sollten durch fettarme Eiweißquellen wie Geflügel, Fisch, Meeresfrüchte, Hülsenfrüchte und Milchprodukte und der Rest durch Obst, Gemüse und Vollkornprodukte gedeckt werden. Jeden Monat wurde das Gewicht und zu Beginn und Ende der Studie die Körpermassen-Zusammensetzung ermittelt. Die Forschenden werteten Ernährungsprotokolle aus und teilten die Versuchspersonen in zwei Gruppen mit einem Proteinanteil von 18 und 20 Prozent in der Nahrung ein.


Sowohl die Teilnehmenden mit einer hohen (79 g) als auch mit einer niedrigeren Proteinzufuhr (58 g pro Tag) verloren innerhalb von einem halben Jahr durch die reduzierte Energieaufnahme durchschnittlich fünf Prozent ihres Körpergewichts. Die Probandinnen mit einer höheren (79 g/d) Proteinzufuhr verbesserten die Qualität ihrer Ernährung jedoch stärker als mit einer niedrigeren (58 g/d) Proteinzufuhr. Sie verringerten z.B. die Aufnahme von Lebensmitteln mit niedrigem oder gar keinem Proteingehalt, einschließlich raffiniertem Getreide und zugesetztem Zucker, und erhöhten die Aufnahme von grünem Gemüse. Ausserdem dämpfte eine höhere Proteinzufuhr und eine bessere Ernährungsqualität während der Kalorienrestriktion den Verlust an fettfreier Muskelmasse.


Originalpublikation

Anna R. Ogilvie, Yvette Schlussel, Deeptha Sukumar et al. Higher protein intake during caloric restriction improves diet quality and attenuates loss of lean body mass Obesity (Silver Spring) 2022; 30(7): 1411–1419


Quelle:

"Newsletter für Heilpraktiker (BDH)"

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